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Rauchend in den Krieg
Zigarrenbehälter vor fast 100 Jahren als Offiziersausrüstung mit an der Front
Bericht der NW Bünde von Dieter Schnase (Foto: Patrick Menzel)
 
Eher unscheinbar und schon reichlich abgegriffen wirkt das Exponat, das ein Hagener Bürger jetzt dem Bünder Museum zur Verfügung gestellt hat. Der knapp 100 Jahre alte Zigarrenhalter aus Leder, den Roger Hillen als Vorsitzender des Fördervereins Dobergmuseum gestern an Museumsleiter Michael Strauß übergab, ist für diesen „historisch sehr spannend“, bereichert er doch die geplante Darstellung der Geschichte des Tabaks im Striedieckschen Hof.
Zigarrenhalter wie dieser wurden nach Worten von Michael Strauß zur Zeit des Ersten Weltkrieges (1914-18) offensichtlich fabrikmäßig für Offiziere hergestellt, die damit ins Feld zogen und so nicht auf den blauen Dunst verzichten mussten.
Das Etui, in dem 20 bis 25 Zigarren mit Hilfe einer Federspannung sicher untergebracht werden können, hat Fritz Gerhard Beens in seinem Haus in Hagen gefunden. Es muss wohl dem Großvater des früheren Eigentümers gehört werden. Ob der Deutscher oder Engländer war, ließ sich nicht genauer klären.
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„Das Rauchen hat sich durch die Kriege ausgebreitet“, weiß Michael Strauß. Damit gehört dieses Kapitel zur Darstellung der Tabakgeschichte allgemein. Einen regionalen Bezug sieht er darin, dass auch Bünder Zigarrenfabriken seinerzeit ihre gerollten Produkte an die Front lieferten. Dem einfachen Soldaten war solcher Rauchgenuss indes verwehrt – hier spielt die Zigarette als „billiges Produkt für eine kleine Auszeit“, so der Museumsleiter, aber eine nicht minder wichtige Rolle. „Das Image des rauchenden Soldaten ist weithin bekannt.“ Nicht erst seit dem Ersten Weltkrieg gibt es die Verbindung zum Rauchen. Schon im Dreißigjährigen Krieg (1618- 48) sei geraucht worden, später dann in den napoleonischen Kriegen.
 
„Tabak ist wichtiger als tägliches Brot. Wir brauchen sofort tausend Tonnen davon“, wird General Pershing, Befehlshaber der US-Streitkräfte im Ersten Weltkrieg, zitiert. Zigaretten, so Michael Strauß, würden das Hungergefühl bekämpfen und über Botenstoffe verfügen, die offenbar beruhigend auf die Soldaten wirkten. Das wussten wohl schon die Indianer, die Tabak in Maisblättern, Vorläufer der heutigen Zigaretten, qualmten. Die regionale Geschichte des Tabaks ist bereits im Obergeschoss des Museums zu sehen, die allgemeine Geschichte soll ab diesem Jahres im Erdgeschoss folgen. Der Zigarrenhalter bleibt solange unter Verschluss.
(Neue Westfälische Bünder Tageblatt, Donnerstag 5. Februar 2009)
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